Manche Geschichten verdienen es, festgehalten und weitererzählt zu werden. So kontaktierte mich kürzlich Robert Kauffeld, der mit seinen 94 Jahren nicht nur eines der langjährigsten Mitglieder unseres Vereins ist, sondern auch über viele Jahre hinweg als Autor für das Mindener Tageblatt tätig war. In unserem Gespräch berichtete er mir von der bemerkenswerten Geschichte von Günter Engler.
Beeindruckt von seinen Schilderungen bat ich Robert, seine Erinnerungen und Informationen in einem kurzen Beitrag zusammenzufassen. Entstanden ist ein sehr lesenswerter Artikel:
Geschrieben von Robert Kauffeld, Juni 2026
Mai 1945: Der Krieg war vorbei. Viele frühere Soldaten waren in Kriegsgefangenschaft geraten und wurden bald oder auch viel später nach Hause entlassen. Sie alle waren froh, die schlimme Zeit überstanden zu habe, wollten nichts mehr mit dem zu tun haben, was sie erleben und oftmals erleiden mussten. Doch es gab auch junge Männer, die schon vor dem Krieg ein Hobby hatten, das sie fesselte, von dem sie begeistert waren: Segelfliegen. Und was sie konnten, brauchte man ihnen im Krieg nicht mehr beizubringen. Nur Fortbildung auf neue Aufgaben waren angesagt. Und wie junge Leute, oftmals unter 20 Jahre alt, so sind, konnte man viele von ihnen für neue Ziele begeistern.
Ein Mindener Junge, Günter Engler, war einer von Ihnen. Sein früherer Fluglehrer Walter Peters berichtete später von gemeinsamen Zeiten auf der Minderheide, von diesem jungen Burschen, der nicht nur besonders flugbegeistert sondern auch als Segelflieger außerordentlich talentiert war und schließlich folgerichtig zur Luftwaffe eingezogen wurde. Günter flog zunächst das Jagdflugzeug Me 109, mit dem er „verrückst wie er war“ oftmals in niedriger Höhe sein Elternhaus in Minden überflog, einmal sogar – dafür wird er wohl kaum die Erlaubnis gehabt haben – auf der Minderheide bei seinen früheren Fliegerkameraden landete.
Bei seinen Fähigkeiten war es dann kein Wunder, dass er zu den wenigen Piloten gehörte, die die Me 262 flogen. Das war das erste in Serie gebaute Strahlflugzeug, das erst 1944 in Dienst gestellt wurde und eine Geschwindigkeit entwickelte, die mehr als 100 km/h schneller war als die der Begleitjäger der Bomberverbände. Günter hat über diese Zeit später wenig erzählt, insbesondere auch nicht über irgendwelche „Erfolge“ im Feindeinsatz. Allerdings hat er uns später interessant über seinen letzten Fug berichtet. Er hatte längst erkannt, dass der Krieg bald zu Ende sein würde und keine „Heldentaten“ mehr zum Sieg führen würden. So hat er nach seinem Start in Saaz in Tschechien beschlossen, selbst für sich den Krieg zu beenden und ist absichtlich „beim Feind“ gelandet, und das war auf dem bereits von den damaligen Gegnern eroberten Flugplatz Faßberg. Dort hatte man wohl staunend erkannt, dass das in Höchstgeschwindigkeit über den Platz fliegende Flugzeug keinen Angriff fliegen würde, und so wurde der deutsche Unteroffizier nach der Landung nicht „mit Waffe im Anschlag“ verhaftet, sondern respektvoll und nicht unfreundlich abgeführt, bevor er später sein Flugzeug am Boden vorführen und, soweit es ging, Fragen beantworten musste. Es folgte natürlich für ihn die Kriegsgefangenschaft. Über ihn und sein Flugzeug wird im Internet berichtet unter: https://www.jagdgeschwader5und7.de/
Und was wurde aus seinem Flugzeug? Es wird jetzt ausgestellt im Royal Air Force Museum auf dem Flugplatz Hendon im Nord-Londoner Stadtteil Barnet.
Günter Engler ist seiner Leidenschaft Fliegen treu geblieben. Nach der Zulassung des Segelfluges im April 1951 wurde er Mitglied des Aero-Clubs Minden, wo er zahlreiche Segelflieger ausbildete, darunter auch seine Ehefrau Margot.
Und er zeigte auch sein fliegerisches Können beim Kunstflug mit dem Segelflugzeug LO 100, das von Mitgliedern der Aero-Clubs Minden gebaut worden war. Beruflich war er Polizeibeamter in Minden



